Das Fahrradklima in Deutschland hat sich leicht verbessert, bleibt aber insgesamt unbefriedigend: 2024 lag die Bewertung bei durchschnittlich 3,92 (2022: 3,96). Die leichte Verbesserung zeigt sich aber in allen Ortsgrößenklassen. Alle Ergebnisse sind in der interaktiven Karte und in Tabellen zum Download zu finden.
Großstädte werden immer besser bewertet, Kleinstädte haben zunehmend Handlungsbedarf: Die Bewertung der Fahrradfreundlichkeit bei den Großstädten verbessert sich immer mehr, Beispiele dafür sind Frankfurt am Main und Hannover. Auch Kleinstädte haben sich 2024 kurzfristig verbessert. In der langfristigen Bewertungstendenz zeigen sie aber Nachholbedarf bei der Fahrradförderung, die hier deutlich weniger wahrgenommen wird. Eine Übersicht über Gewinnertädte in den unterschiedlichen Ortsgrößen ist hier zu finden.
Bergige Städte werden zu Fahrradhochburgen: Der steigende Pedelec-Anteil macht Fahrradfahren auch in hügeligen Städten mit herausfordernder Topographie zum neuen Trend. So wurden viele dieser Städte mit tollen Konzepten gut bewertet. Beispiele sind Tübingen oder Auerbach im Vogtland. Die Stadt Tübingen wird sogar zur fahrradfreundlichsten Stadt ihrer Klasse gekürt.
Die Fahrradförderung wird zunehmend in größeren Städten wahrgenommen und honoriert. Seit 2020 wird die Frage nach der „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ zunehmend positiv bewertet, insbesondere in den in Mittelzentren, Großstädten und Metropolen. Die zu diesem Zeitpunkt begonnenen Förderprogramme von Bund und Ländern und das zunehmende Engagement vieler Kommunen scheinen Wirkung zu entfalten.
Der Reader Bundesländer zeigt, wie sich Bundesländer ingesamt verändern.

Das Miteinander im Straßenverkehr stellt in vielen Städten eine große Herausforderung dar – und wird von den Teilnehmenden am ADFC-Fahrradklima-Test deutlich kritischer bewertet als das allgemeine Fahrradklima. Sowohl die Zusatzfragen aus 2024 als auch die regelmäßig erhobenen Standardfragen zeigen: Vor allem das Sicherheitsgefühl von Radfahrenden und die Konflikte mit dem Kfz-Verkehr sorgen für Unzufriedenheit. Lediglich die Konflikte unter Radfahrenden werden in nahezu allen Städten als gering wahrgenommen.
Die Ergebnisse verdeutlichen: Es ist nach wie vor schwierig, das respektvolle Miteinander im Straßenverkehr zu verbessern. Besonders in großen Städten wird das Verkehrsklima als angespannt erlebt – selbst in Fahrradhochburgen wie Freiburg, Münster oder Karlsruhe, die ansonsten traditionell gut abschneiden.
Ein positives Beispiel setzt Aachen: Mit öffentlich sichtbaren Kampagnen für mehr Rücksichtnahme und klaren Maßnahmen von Politik und Verwaltung zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zeigt die Stadt, wie es besser geht. Zudem überzeugt Aachen durch eine umfassende Bürgerbeteiligung – und wird dafür mit dem Sonderpreis des ADFC ausgezeichnet.
Im Reader Sonderauswertung sind alle Ergebnisse zu den Schwerpunktfragen zusammengefasst.
Im Jahr 2024 haben rund 213.000 Radfahrende am Fahrradklima-Test teilgenommen – und das, obwohl erstmals eine Authentifizierung zur Teilnahme erforderlich war. Insgesamt kamen 1.047 Städte und Gemeinden in die Wertung, der Großteil davon (852 Orte) mit weniger als 50.000 Einwohner:innen.
Über 90 % der Teilnehmenden nutzen sowohl das Fahrrad als auch das Auto und bringen somit beide Perspektiven in die Bewertung ein. Besonders erfreulich: Der Anteil der über 70-jährigen Teilnehmenden ist erneut gestiegen – eine Entwicklung, die offenbar durch die zunehmende Nutzung von Pedelecs begünstigt wird. In dieser Altersgruppe liegt der Anteil der Pedelec-Nutzer:innen mittlerweile bei 64 %. Auch insgesamt zeigt sich ein klarer Trend: Der Anteil der Befragten, die hauptsächlich ein Pedelec nutzen, ist von 15 % im Jahr 2018 auf 38 % im Jahr 2024 gestiegen.
Stadtzentren sind wieder besser mit dem Rad erreichbar (Bewertung 2,78). Die Bemühungen vieler Kommunen, ihre Ortsmitte attraktiver zu gestalten, kommen offenbar an. Inzwischen haben 70 Prozent der Städte ihre Einbahnstraßen systematisch für den Radverkehr geöffnet – das wird mit 2,8 auch positiv bewertet. Dass Alt und Jung Rad fahren, ist ebenfalls ein gutes Zeichen und wurde mit 3,12 bewertet. Auch die Bewertung für sichere Abstellanlagen ist besser ausgefallen als in den Jahren zuvor (3,85).
Negativ bewertet wurden die Radwegebreiten (4,70), die fehlende Kontrolle von Falschparkenden (4,69) und die Führung an Baustellen. Sie hat sich zwar verbessert, bleibt aber mit Bewertungsnote 4,65 problematisch.

Anmerkung: die Fahrrad-Kommunalbefragung heißt ab dem Durchgang 2026/2027 FKT Kommunen.
Als Neuerung in 2024 führte der ADFC parallel zur Befragung der Radfahrenden die Kommunalbefragung durch, die den Verantwortlichen in den Kommunen die Gelegenheit zur Darstellung ihrer Aktivitäten der Radverkehrsförderung bietet. Vertreter:innen aus Städten ab einer Größe von 5.000 Einwohner:innen hatten erstmals die Möglichkeit, in einer gesonderten Online-Befragung Auskünfte zu Themen wie umgesetzte Maßnahmen, bestehende Konzepte, Zählungen des Radverkehrs oder dem eingesetzten Personal und Budget zu geben.
Im Allgemeinen sind die befragten Städte und Gemeinden in Deutschland entsprechend ihrer
Antworten gut für die Radverkehrsförderung aufgestellt und bei der Radverkehrsförderung aktiv. Dies
trifft vor allem auf die großen Städte zu. Zu hinterfragen ist allerdings, ob die Maßnahmen mit
ausreichender Intensität und Wirksamkeit vorangetrieben werden und ob die Antworten immer einem
Realitätscheck standhalten.
Es ist interessant, dass etwas mehr als ein Drittel der Gemeinden (38 %) gemäß ihrer Antworten in der
Topografie eine wesentliche Hürde für das Radfahren auf den häufigsten Wegebeziehungen sieht.
Durch die zunehmende Nutzung von Pedelecs kann dieses Hindernis mehr und mehr abgebaut werden.
Weitere Ergebnisse sind hier und in der Sonderauswertung zu finden.
Mit welchen Maßnahmen haben Städte es geschafft, ihre Radverkehrsinfrastruktur zu verbessern? Die Best Practice-Reportagen zum ADFC-Fahrradklima-Test 2024 geben Eindrücke:
Zum Artikel “Radfahren auf dem Land: Mal eben mit dem Rad in den Nachbarort”
Zum Artikel: "Der Weg ist das Ziel – schnell besser Radfahren
Zum Artikel “Wandel im Verkehr: Clevere Kampagnen für sichere Straßen und mehr Rücksichtnahme”
Weitere Informationen, Grafiken und Hintergrundinformationen zum ADFC-Fahrradklima-Test 2024 sind im Artikel auf adfc.de zu finden.